Das richtige Jagdgeschoss

Worauf kommt es einem Jäger beim Geschoss an? Zuerst mal muss es präzise sein und soll eine gute Außen- und Zielballistik aufweisen, das heißt es soll kontrolliert Engerie im Wildkörper abgeben und einen sicheren Ausschuss gewährleisten, bei gleichzeitig wenig Wildbretverlust (Einblutungen, sogenanntes Versulzen).

Und genau da liegt der Haken.

Dünnwandige Bleigeschosse

Bleigeschosse mit dünnem Mantel geben sehr viel Energie schon bei geringer Eindringtiefe ab. Durch die hohen Kreiselkräfte, bedingt durch die Geschossrotation, schert sich das Blei regelrecht ab. Dadurch werden Bleisplitter in einem Umkreis von ca. 30 cm um den Einschusskanal (temporäre Wundhöhle) in den Wildkörper getrieben. Die damit verbundene explosionsartige Energieabgabe überdehnt das Gewebe und zerreißt Blutgefäße. Der Vorteil bei diesen Geschossen ist, sie sind aufgrund des dünnen Mantels meist sehr präzise, die Tötungsleistung bei leichtem Schalenwild ist ausreichend. Der Nachteil ist jedoch ein hoher Wildbretverlust durch Einblutungen und Kontamination durch Blei. Bei schwerem Schalenwild ist die Tiefenwirkung dagegen meist nicht ausreichend, um das beschossene Stück schnell und sicher zu strecken. Die Restenergie des Geschosses reicht oft nicht mehr für einen Ausschuss, ohne den man sich bei der Nachsuche schwer tut, da Pirschzeichen kaum oder wenig vorhanden sind.

Geschossbeispiele: Sierra Game King, RWS KS, Hornady A-Max, Nolser Ballistic Tip

Dickwandige Bleigeschosse

Dickwandige Bleigeschosse sind dagegen für leichtes Schalenwild nicht geeignet, da die Kugel bei geringem Zielwiederstand, wie z.B. beim Schuss durch die Lunge, nicht ansprechen kann. Das Geschoss verhält sich wie ein Vollmantelgeschoss und gibt zu wenig Energie im Ziel ab. Der Vorteil ist zwar kaum Wildbretentwertung, jedoch ist mit langen Fluchtstrecken, bei schlecht angetragenen Treffern, zu rechnen.

Geschossbeispiele: Laupa Mira und Mega, Norma Alaska, RWS TUG, SAKO Hammerhead


Bild: Geschosse mit unterschiedlichen Wandstärken, entnommen aus Wikipedia

Gebondete Geschosse

Gebondete Geschosse sind dagegen schon sehr viel besser in der Wirkung, da der Bleikern durch ein spezielles Fertigungsverfahren, sogenanntes Bonding, untrennbar mit dem Geschossmantel verbunden wird. Der Geschossmantel ist vorne meistens etwas dünner und erlaubt ein schnelles Ansprechverhalten, auch bei geringem Zielwiederstand. Der nach Hinten dicker werdende Mantel garantiert keine übermäßige Expansion und sorgt für sehr gute Tiefenwirkung und ermöglicht meist einen Ausschuss bei einem Restgewicht von etwa 75-85%. Der Nachteil ist, die Geschosse sind meist nicht sehr präzise. Der nach hinten dicker werdende Mantel verläuft oft nicht gleichmäßig, wodurch Unwuchten entstehen können.

Geschossbeispiele: Swift Scirocco, Nosler Accubond, RWS EVO, Hornady Interbond

Unsere Empfehlung: Bleifreie Jagdgeschosse

Da Kupfer, je nach Legierung, bis zu sechs mal härter ist wie Blei, kann man sehr viel leichtere Geschosse verwenden, die trotzdem noch eine höhere Durchschlagsleistung als Mantelgeschosse erbringen. Man erreicht dadurch eine sehr gestreckte Flugbahn, bei spürbar geringerem Rücksstoß. Der Wildbretverlust ist gering, da Kupfergeschosse die Energie kontrolliert im Ziel abgeben und das Wild meist richtungsstabil durchschlagen. Da sie nur aus einem Material bestehen und es keine Lufteinschlüsse geben kann, sind die Geschosse üblicherweise sehr zielgenau.

Geschossbeispiele: Styra Arms Aero, Barnes TSX und TTSX, SAX KJG, Nosler E-Tip, Lutz Möller KJG und MJG, Lapua Naturalis


Bild: Vergleich Mantelgeschoss, Kupfergeschoss (Quelle: Styria Arms)

 


Bild: Moderne bleifreie Jagdgeschosse: (von links nach rechts) Barnes TTSX, Barnes TSX, Styria Arms Aero, Lutz Möller KJG, Lutz Möller MJG, SAX KJG

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